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Abhandlung zu den Bestimmungen zur Freisetzung von Lösemitteln - SED (solvent emission directive) und wie sich diese auf das Marktsegment der Schutzlacke auswirkt

EN FR BR Schlagwörter: Kunstharze

Die allermeisten Menschen werden inzwischen von den neuen Regularien, welche bezüglich der Kontrolle der an die Umwelt abgegebenen organischen Lösemittel, in Kraft traten, gehört haben. Der offizielle Name dieser Bestimmung ist "Solvent Emission Derective (SED)", aber manches Mal wird auch von den VOC-Bestimmungen gesprochen (VOC = volatil organic compound). Mit Oktober 2007 entfalteten diese Bestimmungen ihre Wirkkraft, werden allerdings allmählich und stufenweise eingeführt. Gegenstand dieser Bestimmungen ist die Reduzierung der Emission von Lösemitteln in die Atmosphäre und die Reduzierung der damit verbundenen Gefährdungen für die Natur und die menschliche Gesundheit.

Ein VOC wird laut offizieller Definition an Hand des Dampfdrucks spezifiziert, aber als eine etwas allgemeinere Regel läßt sich sagen, das jedes Lösemittel, oder organische Stoff mit einem Siedepunkt unterhalb von 250 Grad Celsius in Europa als VOC klassifiziert wird. In Europa gibt es keine Ausnahme, wie sie in der NAFTA (USA, Kanada und Mexiko) für Lösemittel, die weniger schädlich für die Atmosphäre sind, vielfach existieren. Dies ist ein Beispiel für die größere Industriefreundlichkeit in den USA im Vergleich zu Europa. Die Ausnahmeregelungen in den USA beinhalten Aceton, Methylen, Chloride und verschiedene Hydrofluorkarbonate - all diese in Europa abgedeckt und erfasst durch die VOC-Regularien.

Eines der bedeutensten Wesensmerkmale der Regularien zur Emission von Lösemitteln ist, dass sie nur auf bestimmte, definierte Einsatzgebiete angewendet wird. Die wichtigsten für Lieferanten und Hersteller in der Elektronik-Industrie sind:

  1. Herstellung von Schutzlacken
  2. Andere Lackier-Bereiche wie die Lackierung von Fahrzeugen, Wickelgütern und Holz werden alle in anderen Bestimmungen definiert und reguliert, als die Schutzlackierung von gedruckten und bestückten Leiterplatten.
  3. Zur Reinigung von Oberflächen werden gefährlichere Lösemittel eingesetzt. Diese Lösemittel enthalten krebserregende oder Erbgut verändernde Bestandteile mit den Risikosätzen R45, R46, R49, R60 oder R61 und halogenierte VOC's werden mit dem Risikosatz R40 beschrieben.
  4. Andere Reinigung von Oberflächen (mit weniger gefährlichen Lösemitteln).

Die Herstellung von Reinigungs-Produkten wird durch die Bestimmungen nicht mit abgedeckt. Der Bereich der Reinigung von Oberflächen nimt auf die Reinigung von Produkten Bezug, nicht auf die Reinigung von Produktionsmitteln (Maschinen, Werkzeuge, oder auch Industriefußböden!). Die Lackierung von Wickelgütern wird ebenfalls durch separate Bestimmungen abgedeckt.

Damit die SED-Regularien greifen, muss die Menge an Lösemitteln, welche berücksichtigt werden müssen, über dem Grenzwert liegen. Durch die Verwendung von Schutzlacken mit hohem Feststoffanteil (geringer Anteil an Lösemitteln) läßt sich ein Überschreiten dieser Grenzwerte vermeiden. Dies könnte beinhalten, dass, wenn beide Methoden möglich sind, eine Tauchlackierung der Spritzlackierung vorgezogen wird. Wenn gereinigt werden muß, könnten Wasserbasierende Reiniger mit ihrem geringegeren VOC Anteil, als Lösemittelbasierende Reiniger, genutzt werden. Und in der Tat gibt es Ausnahmen von der Regel, wenn Wasserbasierende Reiniger mit einem VOC Anteil unter 30% eingesetzt werden.

Für Hersteller von Lacken liegt der Grenzwert bei 100t pro Jahr. Lieferanten mit einem geringeren Verbrauch an Lösemitteln fallen nicht unter diese Bestimmungen.

Für den Bereich "anderer" Lacke, wie auch Schutzlacke für PCB, liegt der Grenzwert bei 5t pro Jahr. Betreff der Reinigung mit gefährlicheren Lösemitteln gilt ein Grenzwert von 1t pro Jahr, verbunden mit der Notwendigkeit, auf einen weniger gefährlichen Stoff umzustellen und zwar so schnell dies möglich ist. (Seit 2003 sind für solche Fälle schriftliche Pläne zu erarbeiten.) Für alle anderen Bereiche der Oberflächen-Reinigung gilt ein Grenzwert von 2t pro Jahr. Anwender und Hersteller, die unter diesen Grenzwerten liegen, fallen somit nicht unter die gesetzlichen Bestimmungen der SED-Regularien.

Bei Überschreitung bedarf es einer gesonderten Betriebserlaubnis durch die lokalen Behörden. Alle nach 2002 errichteten Firmen müssen die von den SED-Bestimmungen vorgegebenen Grenzwerte einhalten. Es gibt zwei Möglichkeiten, um sicher zu stellen, dass man den SED-Regularien genügt und die bestehende Fertigung eine Zulassung erhält. Sich einerseits an die von den SED-Bestimmungen vorgegebenen spezifischen Grenzwerte für Emissionen zu halten oder dem Weg der Reduktion von Lösemitteln zu folgen. Hierzu ist ein Lösemittel-Reduktions-Plan zu erstellen. Diese Regelungen gelten verbindlich ab dem 31.10.2007.

Die Regularien enthalten nicht, dass Lösemittel enthaltende Schutzlacke verbannt werden sollen oder das seit Oktober 2007 alle Schutzlacke aus VOC freien Substanzen bestehen müssen. Wenn der Lösemittel enthaltende Schutzlack, den Sie gegenwärtig nutzen, all die Anforderungen, welche Ihr Prozess stellt, erfüllt und Ihr Verbrauch an Lösemitteln liegt über dem vorgegebenen Grenzwert, scheint die "Verwertung" der Lösemitte, z.B. durch eine in die Absaugung integrierte Nachverbrennung, als der bessere Weg, als auf den zugelassenen Schutzlack zu verzichten. Eine Investition in eine Erneuerung der Anlage scheint auch ein durchaus besserer Weg, als die spezifizierten Materialien neu zulassen zu müssen, insbesondere in den Bereichen Automotive, Aerospace und Militär.

Dieser Artikel wurde verfasst auf Basis der in Großbritannien geltenden rechtlichen Bestimmungen.

Dr John Humphries – Technical Director